Bereits vor 3 Tagen (am 28.04.2011) erschien das neue Ubuntu mit der “Versionsnummer” 11.04 und dem Codenamen “Natty Narwhal”, was in etwa so viel heißt wie schicker Narwal. Dies ist ein normales Release und wird somit 18 Monate lang mit Updates versorgt.
Nun aber zu den neuen Features, vorallem denen die mir aufgefallen sind:
Viel Rumor gab es um die von Canonical durchgepreschte, neue Desktopumgebung Unity. Viel neues, und für bisher eingefleischte GNOME-Nutzer unbekanntes brachte Unity mit sich. Schon zuvor wurde diese Änderung in höchsten Maße kritisiert und verurteilt. Von “total verbuggt”, über “für den Profi unbrauchbar”, bishin zu “ich wechsele zu XY” gingen die negativen Beiträge. Auch ich hatte so meine Bedenken inwieweit Ubuntu nach der Änderung noch benutzbar sein wird, auch aufgrund der meiner Meinung nach noch sehr fehlerhaften Alpha 1. Doch ich wollte Unity auf jeden Fall eine Chance geben. Man mag meinen, die GlobalMenues (verlagerung der einzelnen Fenstermenüs in das obere Panel) seien stumpfes Abgekupfere von MacOSX, der Launcher an der linken Seite sei für den professionellen Anwender nicht zu gebrauchen usw. – Doch teile ich all diese Meinungen nicht. Die GlobalMenues bringen meiner Meinung nach eine einheitlichere Struktur in das System, sodass sich meiner Meinung nach die Programme authentischer und besser in den Desktop integrieren. Auch an meinem Desktop-PC mit einer Auflösung von 1680×1050 finde ich es klasse wenn ich bei maximierten Anwendungen oben Platz sparen, vorallem im Firefox fällt mir dies auf und es gefällt mir SEHR gut. Natürlich bedarf es einer Umstellung von GNOME auf Unity, aber diese habe ich jetzt binnen der letzten 3 Tage gemacht und würde ungerne wieder zurück zu GNOME.
Was mich momentan noch stört, ist der über Jockey scheinbar noch nicht eingereichte ATI Grafikkartentreiber, der leider erst kürzlich in einer neuen Version erschienen ist. Teilweise hakt dadurch das ziehen von Fenstern und generell laufen ein paar Dinge ein wenig eckig, aber ich hoffe auf Besserung.
Ein weiterer strittiger Punkt sind die neuen OverlayScrollbars (Scrollbars erscheinen nur beim darüberschweifen mit der Maus), denn diese sind leider nur teilweise und falls, auch oft eher ungeschickt implementiert. Generell jedoch finde ich diese neuartigen Scrollbars eine klasse Idee und schon jetzt erfreue ich mich daran. Ich hoffe das in der folgenden Version 11.10 diese Implementation abgeschlossen sein wird, sodass auch z.B. Firefox etc diese Scrollbars beinhalten.
Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt, die ApplicationIndicators. Diese wurden in den vorherigen Versionen eingeführt und nun scheinbar wieder teilweise verworfen, denn bei mir befindet sich derzeit außer den Standardindikatoren nur Skype im IndicatorMenu. Anwendungen wie Pidgin o.Ä. sind leider nurnoch im MessagingMenu untergebracht, was ich persönlich sehr störend finde. Auch ist dies nicht einfach per Aktivierung der Option in Pidgin möglich, diese bewirkt nämlich nichts (mehr). Vielleicht wird dort aber noch etwas nachgereicht, was Besserung verschafft. Überrascht hat mich vorallem UbuntuOne. Die aktualisierte Version hat meiner Meinung nach das so ziemlich beste Interface was ich je gesehen habe ! Es passt perfekt zum Standarddesktop und lässt sich prima bedienen.
Ein weiterer großer Pluspunkt sind die vielen Shortcuts die mit Natty Einzug in Ubuntu erhalten haben. Vorallem auch die Launchersteuerung lässt sich dadurch vereinfachen. Wo wir auch beim Launcher wären, denn dieser gefällt mir ausgesprochen gut. Zuvor habe ich in Maverick (10.10) Docky als Dockingleiste benutzt und war froh über diese Stütze. Doch der Launcher ist um einiges besser in Ubuntu integriert und passt sich meiner Meinung nach sehr gut dem System an. Von der Unity 2D Lösung halte ich an dieser Stelle nicht sehr viel, da mir diese sehr wacklig und im Vergleich zur 3D Lösung mickrig vorkommt (Eindrücke jedoch nur aus Beta 2). Zum Glück läuft jedoch auf meinem Desktop PC (ATI Radeon HD 4660) und auf meinem Laptop (ATI Radeon Xpress 1200) Unity mit 3D, weswegen ich mir um die 2D-Variante keine Sorgen machen muss.
Im Großen und Ganzen finde ich, dass mit Unity und dem Kernel 2.6.38 ein gehöriger Geschwindigkeitszuwachs in Ubuntu Einzug erhalten hat, der sich mit meinem Umstieg auf 64 Bit (sehr gut verlaufen) noch einmal verstärkt hat. Von der Boot-Geschwindigkeit bishin zur Zeit in der Programme sich öffnen hat sich meines Eindrucks nach einiges getan.
Alles in Allem finde ich Ubuntu Natty und damit auch Unity sehr gelungen, jedoch bedarf es hier und da noch ein paar Schliffen, damit es ein gutes Ubuntu ist. Wir werden sehen was die Zeit mit sich bringt und ich hoffe auf weitere 6 Monate des erfolgreichen Nutzens.
Interessante Artikel:
- http://www.omgubuntu.co.uk/2011/04/ubuntu-11-04-released-reviewed/
- http://omgubuntu.co.uk/natty/
- http://ikhaya.ubuntuusers.de/2011/04/28/ubuntu-11-04-natty-narwhal-ist-erschienen/
